Pikmatic
Alle Beiträge
Reselling

Vinted-Ware beschaffen: die besten Quellen in Deutschland

7 Min. Lesezeit·21. Januar 2026

Vinted-Ware beschaffen: sechs Quellen vom Flohmarkt über Sozialkaufhaus bis zum Restposten — was dort jeweils zu holen ist und wo die typische Falle liegt.

Beim Wiederverkauf wird das Geld im Einkauf verdient, nicht im Verkauf. Das klingt nach einem Kalenderspruch, ist aber schlicht die Folge der Rechnung: Verpackung, Versandweg und deine Zeit stehen bei jedem Teil ungefähr gleich hoch in den Büchern, egal ob du es für zwei oder für zwanzig Euro eingekauft hast. Was die Teile voneinander unterscheidet, ist der Einkaufspreis — und der entscheidet sich, bevor du das erste Foto machst.

In Deutschland ist die Lage dabei komfortabler, als viele annehmen. Die Second-Hand-Kultur ist alt, die Flohmarktdichte hoch, und Vinted trifft hierzulande auf eine Gemeinschaft, die es schon vor der Marke gab — der deutsche Markt ist aus dem Kleiderkreisel hervorgegangen. Das bedeutet viel Angebot, aber auch viele Leute, die wissen, was ihre Sachen wert sind.

Sechs Quellen haben sich hierzulande bewährt, vom Flohmarkt bis zum Restposten. Zu jeder steht im Folgenden, was dort tatsächlich zu holen ist und wo die typische Falle liegt. Am Schluss kommt die Stelle, an der aus gelegentlichem Einkaufen etwas anderes wird — und was das für dich bedeutet.

rund 330 €

Einkauf für 1 000 Euro Verkaufserlös, wenn du die Dreifach-Regel einhältst

Vor Verpackung, Versandwegen und deiner Zeit — die Spanne pro Teil rechnest du separat

Quelle 1: Flohmarkt und Trödelmarkt

Der Klassiker, und er funktioniert weiter, wenn du weißt, wonach du suchst. Privatverkäufer räumen den Keller aus und kennen den Wiederverkaufswert ihrer Sachen oft nicht. Große Trödelmärkte in Hallen laufen ganzjährig, die Freiluftmärkte von April bis September.

  • Sei früh da — zwischen 8 und 9 Uhr sind die guten Stücke noch da; ab Mittag steht nur noch, was niemand wollte
  • Nimm Bargeld mit, in kleinen Scheinen — kartenlose Stände sind die Regel, und passend zahlen erleichtert das Handeln
  • Verhandle über Posten — „Ich nehme die vier Teile, machen Sie zehn Euro?“ funktioniert deutlich besser als das Feilschen um einzelne Preise
  • Kenn deine Zielpreise vorher — wer erst am Stand anfängt zu rechnen, zahlt zu viel

Die letzte Stunde

Wer am Ende des Markttages noch einmal durchgeht, findet andere Gelegenheiten als am Morgen: Kaum jemand will die Kisten wieder einladen. Für einen ganzen Restposten zu einem Pauschalpreis ist das die beste Stunde des Tages — und der Grund, Platz im Kofferraum zu lassen.

Quelle 2: Second-Hand-Läden, Sozialkaufhäuser und Kilo-Ware

Sozialkaufhäuser und die Läden von Wohlfahrtsverbänden geben Kleidung sehr günstig ab, dafür ungefiltert: Du kaufst die Sortierzeit mit ein. Kilo-Läden und Kilo-Sales verkaufen nach Gewicht, was bei Blusen und Shirts attraktiv ist und bei Mänteln und Jeans schnell teuer wird. Gut sortierte Second-Hand-Boutiquen haben die Auswahl schon getroffen und verlangen entsprechend mehr — dort lohnt sich nur, was als Markenstück trotzdem die Dreifach-Regel schafft.

  • Frag nach dem Tag, an dem neu aufgefüllt wird, und komm an diesem Tag
  • Plan Zeit ein: Ordentlich zu sortieren dauert ein bis zwei Stunden
  • Bei Kilo-Ware zählt das Verhältnis von Spanne zu Gewicht, nicht die Menge im Sack
  • Bei Sozialkaufhäusern gehört ein Maß an Zurückhaltung dazu — die Ware ist für Menschen gedacht, die sie brauchen, und wer regalweise abräumt, macht sich diese Quelle selbst kaputt

Quelle 3: Kleinanzeigen und Facebook Marketplace

Auf Kleinanzeigen — die Plattform heißt seit der Trennung von eBay nur noch so — tauchen laufend Konvolute auf: „Kleiderschrank aufgelöst, 30 Teile, Größe 38, Preis VB“. Ein solcher Posten für 30 Euro enthält oft zwei oder drei Stücke, die einzeln 15 bis 20 Euro bringen; der Rest rechnet sich über die Menge oder geht als Beigabe eines Bündels mit. Der Vorteil gegenüber dem Versandkauf: Du siehst die Ware, bevor du zahlst.

Auf Facebook Marketplace läuft dasselbe Muster, nur mit weniger Konkurrenz durch andere Wiederverkäufer und mit einem Profil, an dem du dein Gegenüber besser einschätzen kannst. Dafür ist die Suche schwächer: Wer dort etwas finden will, geht die lokalen Gruppen durch, statt sich auf Suchbegriffe zu verlassen. Beide Wege lohnen sich vor allem im Umkreis, in dem du selbst abholen kannst.

  • Auflösungen und Umzüge — wer eine Frist im Nacken hat, verhandelt anders
  • Schlecht fotografierte Inserate — sie sind unterbewertet, weil kaum jemand sie anklickt
  • Inserate ohne Markenname im Titel — sie tauchen in keiner Suche auf und stehen deshalb lange

Suchaufträge statt Suchen

Leg dir gespeicherte Suchen für deine Zielbegriffe an — „Kleiderpaket“, „Konvolut Kleidung“, „Dirndl“, „Jack Wolfskin“ — und lass dich benachrichtigen. Bei Konvoluten entscheidet die erste Nachricht: Wer eine Stunde später schreibt, kommt bei guten Angeboten regelmäßig zu spät.

Quelle 4: Vinted selbst

Auf Vinted zu kaufen, um auf Vinted zu verkaufen, ist erlaubt und weit verbreitet. Die Gelegenheiten liegen dort, wo andere schlampig eingestellt haben:

  • Gute Ware hinter miserablen Fotos, die nach einer ordentlichen Aufnahme deutlich mehr bringt
  • Artikel ohne Marke oder Größe im Titel, die in keiner Suche auftauchen
  • Konvolute, die sich in Einzelteile zerlegen lassen
  • Teile mit Flecken oder Knittern, die eine Wäsche und ein Dampfbügeleisen auf ein anderes Niveau heben

Besser vermeiden

Ein Teil zu kaufen und es unverändert am selben Tag wieder einzustellen, fällt auf — der Person, bei der du gekauft hast, und im Zweifel der Plattform. Lass Zeit vergehen und steck echte Arbeit hinein: waschen, dämpfen, neu fotografieren, vollständig beschreiben. Ohne diesen Schritt ist es kein Wiederverkauf, sondern Weiterreichen — und die Spanne reicht dann ohnehin nicht.

Quelle 5: Haushaltsauflösungen und lokale Netzwerke

Die Quelle mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, sobald sie einmal steht — aber sie steht nicht von heute auf morgen. Bei Haushaltsauflösungen wird Kleidung oft als Nebensache mitgegeben, weil das Interesse den Möbeln gilt. Und wer sich einmal als verlässlicher Abnehmer bekannt gemacht hat, wird angerufen, statt suchen zu müssen.

  • Lass deine Nummer bei Standbetreibern, deren Ware zu deiner Nische passt
  • Tritt lokalen Gruppen für Kleiderbasare und Kindersachenbörsen bei — Kindersachenbasare in Gemeindehäusern sind hierzulande eine eigene Welt mit eigenen Terminen
  • Sprich Second-Hand-Läden an, ob sie dich bei bestimmten Anlieferungen benachrichtigen
  • Sag im Bekanntenkreis, was du suchst — der Keller mit den alten Trikots gehört meistens jemandem, den jemand kennt

Quelle 6: Restposten und Großhandel

Wer im Volumen arbeitet, kommt irgendwann an gewerbliche Quellen: Restposten aus Ladenauflösungen, Sonderposten-Anbieter, Retourenware. Die Preise pro Teil sind niedrig, die Mindestabnahmen aber hoch, und du kaufst in aller Regel ungesehen. Für den Einstieg ist das nichts. Ab einem eingespielten Betrieb kann es die Quelle sein, die den Bestand planbar macht.

Ab hier wird aus Beschaffung eine Statusfrage

Viele Restposten- und Großhandelsanbieter verkaufen ausschließlich an Gewerbetreibende und verlangen den Nachweis. Wer diese Quelle nutzen will, hat die Frage nach dem eigenen Status also nicht mehr vor sich, sondern hinter sich. Wo die Grenze verläuft und was eine Gewerbeanmeldung nach sich zieht, steht in unserem Artikel dazu, wann du auf Vinted gewerblich oder privat unterwegs bist. Dieser Abschnitt ordnet ein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Vor dem Kauf rechnen, nicht danach

Keine dieser Quellen hilft, wenn am Stand nicht gerechnet wird. Die Frage ist immer dieselbe: Was bringt dieses Teil realistisch, und was bleibt nach Verpackung, Versandweg und deiner Zeit davon übrig? Wie diese Rechnung im Einzelnen aussieht, steht in unserer Anleitung dazu, wie du deine Marge auf Vinted berechnest. Welche Kategorien sich hierzulande fürs Reselling lohnen, sagt dir vorher, wonach du überhaupt greifen sollst — und was in der laufenden Saison gefragt ist, entscheidet über die Liegezeit.

Und wenn der Einkauf einmal läuft, verschiebt sich der Engpass zuverlässig: Nicht das Finden kostet dann die Abende, sondern das Einstellen. Wie du das in den Griff bekommst, beschreibt unser Guide dazu, wie du deinen Vinted-Shop skalierst, ohne jeden Abend daran zu sitzen.

Automatisiere deinen Vinted-Shop

Pikmatic analysiert deine Fotos, schreibt deine Beschreibungen und stellt deine Artikel automatisch ein.

Konto erstellen →

Häufige Fragen

Wie viel muss ich einkaufen, um 1 000 Euro Umsatz zu machen?

Wenn du dich an die Dreifach-Regel hältst, brauchst du rund 330 Euro Einkauf für 1 000 Euro Verkaufserlös. Was davon am Ende übrig bleibt, ist deutlich weniger: Verpackung, Versandwege und vor allem deine Zeit kommen noch herunter. Rechne die Spanne pro Teil durch, bevor du das Einkaufsbudget hochsetzt.

Lohnen sich Flohmärkte noch?

Ja, aber nicht mehr überall gleich gut. Viele private Verkäufer kennen inzwischen die Preise, weil sie selbst auf Vinted und Kleinanzeigen unterwegs sind. Was weiterhin funktioniert: früh da sein, sich auf eine Nische festlegen, in der du Qualität in Sekunden erkennst, und über ganze Posten verhandeln statt über einzelne Teile.

Gibt es bessere Jahreszeiten für den Einkauf?

Zwei Zeitpunkte stechen heraus. Nach den Feiertagen im Januar wird ausgemistet, und das Angebot auf Kleinanzeigen ist entsprechend groß. Von April bis September läuft die Flohmarktsaison, mit dem größten Angebot im Frühsommer. Antizyklisch zu kaufen zahlt sich zusätzlich aus: Winterware im Juni und Trachten außerhalb der Volksfestsaison kosten einen Bruchteil.

Darf ich auf Vinted kaufen, um auf Vinted weiterzuverkaufen?

Erlaubt ist es, verbreitet auch. Sinnvoll wird es aber erst, wenn du wirklich etwas hinzufügst: waschen und dämpfen, ordentlich fotografieren, vollständig beschreiben, einen Posten in Einzelteile zerlegen. Ein Teil unverändert am selben Tag wieder einzustellen, fällt der Person auf, bei der du gekauft hast — und bringt dir ohnehin kaum etwas ein.